Mein Weg in die agile Softwareentwicklung

Die Scrum Master Vision

Dem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt wird folgendes Zitat nachgesagt:

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“

Natürlich weiß man heute, dass dieses Zitat aus dem Zusammenhang gerissen wurde und ein wenig in seiner hanseatischen Natur verordnet werden muss, denn sicherlich hatte gerade Helmut Schmidt Visionen seiner Arbeit, seines Zielbildes usw.

Eine Vision kann ein Leitbild sein, an dem sich die damit befassten Personen und Gruppen ausrichten können. Eine Vision kann sich auf alles und mögliche beziehen und wird gerne mal von Visionären benutzt, um, ja, letztlich nichts anderes zu tun, als die Welt zu verändern. Ich bin der Überzeugung, dass man das genau so groß denken kann und sollte. Die Vision beschreibt dann eine Utopie, ein nicht erreichbares, aber wünschenswertes Bild von der Welt. Man denke da beispielsweise am Martin Luther King und seine „I have a dream“ Rede.

Im agilen Umfeld wird wesentlich dem Product Owner die Rolle zugewiesen der Träger der Vision zu sein, der Visionär. Ausgehend davon, wie dem Kunden der größtmögliche Wert geschaffen werden kann, versucht die Produkt Vision des Product Owners auch zu begeistern, mitzureißen, Leitbild zu sein, den Wow-Effekt zu erschaffen; und das nicht nur für das Team, sondern auch für den Kunden und alle Stakeholder. Ja, dies ist eine zentrale Aufgabe des Produkt Owners.

Die Frage, die sich mir sofort stellt: braucht es nicht auch eine Scrum Master Vision?? Und wenn ja, wie kann die aussehen, wo kommt sie her, worauf bezieht sie sich??

Was sagt denn der Scrum Guide dazu?

Dort steht der Scrum Master ist ein „servant leader“, der Scrum, wie es im Scrum Guide steht, vertritt und unterstützt und zwar dadurch, dass er das Verstehen der Theorie, Praktiken, Regeln und Werte, fördert. Der Scrum Master bietet seinen Service an für den Product Owner, das Development Team und die Organisation.

Irgendwie hilft das nicht so recht weiter. Also habe ich mal in meiner Vergangenheit gekramt und nachgedacht, was ich anstrebe, wenn ich ein neues Team übernehme.

Den „Stand“ des Teams feststellen

Wo steht das Team? Das ist die erste Frage, die man sich wohl stellt. Aber diese Frage ist so auf sich allein gestellt so allgemein, so dass sie mal etwas näher betrachtet werden muss.

Das Team verhält sich:

  • als Team
    • als System
    • Methodenkenntnisse
    • harmonisch
    • funktional
    • wertschätzend …
  • als Teil der Organisation
    • Verhältnis zur Organisation (wird das Team wertgeschätzt? Wie ist der „Stellenwert“ des Teams? …)
    • Linienvorgesetzte (Verhältnis zum Team, Rolle des Vorgesetzten …)
    • Stakeholder
    • Kunde (Vertrauen in das Team, Lieferrhythmus des Produktes …)
    • Sponsor, Geldgeber 
    • systemisches Bild der Organisation
  • im Verhältnis zum PO
    • Aufteilung der PO Rolle im Team
    • Zusammenarbeit
    • Vision, Zielbild
    • Rolle des PO gegenüber dem Team
    • Kenntnisse des PO

Dies ist natürlich in keinster Weise eine vollständige Auflistung, sondern je nach Team und Situation beliebig zu erweitern.

Die Analyse all dieser Punkte und die Beantwortung aller sich daraus ergebener Fragen bilden den Stand des Teams. Das kann natürlich auch Lücken beinhalten, wenn der eine oder andere Aspekt nicht einfach zu durchdringen ist.

Die Scrum Master Vision

Was sind die Aspekte, die dem Team am schnellsten und am weitesten helfen? Daraus lässt sich, wenn man sich den Idealzustand vorstellt, eine Vision ableiten. Die Vision ist dann ein Leitbild für den Scrum Master, das ideale Team in einer idealen Umgebung anzustreben und dabei den aktuellen Stand des Teams als Basis zu nutzen.

Team A war neu zusammengesetzt und an einem anderen Standort als alle anderen Teams der Organisation angesiedelt. Scrum Kenntnisse habe ich als eher rudimentär eingeschätzt, das Verhältnis der Teammitglieder untereinander war geprägt durch „Revierabstecken“. 

Für dieses Team war die Vision (ohne dass ich sie aufgeschrieben habe):

Ich helfe den Menschen zu einem Team zusammenzuwachsen, helfe ihnen zu Scrum Experten zu werden und fördere ihre Eigeninitiative, um sich perfekt im Unternehmen zu vernetzen.

Team B war ein hochmotiviertes junges Team, was die Scrum Praktiken anwandte, ohne im Detail und Tiefe zu verstehen, warum sie das tun. Der PO hatte eine sehr motivierende Produktvision erstellt, allerdings ohne das Team abzuholen und einzubeziehen. Das Konzernumfeld zeigte eine Reihe unterschiedlichster Stakeholder mit sehr eigenen Intentionen.

Für Team B war die Vision etwa:

Ich befähige das Team Werte und Prinzipien hinter Scrum und agilem Vorgehen zu verinnerlichen und zu leben. Ich unterstütze sie dabei, die Produktvision mit zu erstellen und zu eigen zu machen. Ich leite das Team an, die Stakeholder im Konzernumfeld durch strikte Transparenz an sich zu binden und Vertrauen aufzubauen.

Diese Visionen haben mir geholfen, meine Arbeit zu fokussieren und konkrete Maßnahmen abzuleiten. Ich konnte mich an meinen eigenen Zielen messen und war auskunftsfähig gegenüber der Linienführung. Und darüber hinaus war das meine Motivation und Antrieb, und eine stete Hilfe, Stillstände zu überwinden und Bewegung anzuregen.

the End

Wie komme ich darauf  zu versuchen eine Scrum Master Vision zu beschreiben?

Vor einiger Zeit kam meine PO zu mir und sagte: „Bernhard, wenn man dich mit dem Team so interagieren sieht, dann hat man den starken Eindruck, als hättest du eine Vision!“

Recht hat sie!

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